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Lyme Borreliose und
die wieder abrechenbare Infusionstherapie
Die Lyme Borreliose ist neben der Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME)
die wichtigste, von Zecken übertragbare Erkrankung. Bei beiden handelt
es sich um Infektionserkrankungen, bei der die Erreger durch den Stich von
Zecken auf den Menschen übertragen werden. Während die FSME eine
Viruserkrankung ist, die nur in bestimmten Regionen Deutschlands auftritt,
ist die Lyme Borreliose eine Infektion mit Bakterien, die überall in
Mitteleuropa auftreten kann. Gegen FSME gibt es einen wirksamen Schutz, die
Impfung. Bei der Lyme Borreliose gibt es jedoch keine Impfung. In den USA
gab es zwar Versuche mit einer Impfung, die durchaus wirksam waren, aber
2001 wegen Nebenwirkungen und schlechter Wirtschaftlichkeit wieder aufgegeben
wurden (Hayes & Piesman 2003).
Diese Impfung war zudem nur gegen Borrelia burgdorferi wirksam, dem
in den USA dominierenden Erreger der Lyme-Borreliose. Borrelia burgdorferi
spielt in Mitteleuropa nur eine untergeordnete Rolle. In Mitteleuropa
gibt es, im Gegensatz zur USA, vier verschiedene Borrelien Arten, die
humanpathogen (für den Menschen schädlich) sind. Vor allem B.
afzelii und B. garinii sind die wichtigen Auslöser einer
Lyme Borreliose. Die amerikanische Impfung hätte also wahrscheinlich
hier bei uns garnicht gewirkt. Vielmehr ist mit einer wirksamen
Antibiotikatherapie eine ausreichende Behandlung vorhanden, so dass das
Impfrisiko als relative Gegenanzeige gesehen werden kann.
Dass unterschiedlichen Borrelien-Arten in den USA und Mitteleuropa eine Lyme
Borreliose auslösen, zeigt sich auch an den Symptomen dieser Erkrankung.
Während in Mitteleuropa die Acrodermatitis chronica atrophicans
(eine Hauterkrankung) und das Lymphozytom (Lymphzellen Erkrankung) relativ
häufig auftreten, sind sie in den USA so gut wie unbekannt. Auch andere
Erkrankungsbilder der Lyme-Borreliose wie das Erythema migrans (ein
Hautsymptom), Arthritis (Gelenkentzündung) oder neurologische
Erkrankungsformen unterscheiden sich deutlich zwischen den USA und
Mitteleuropa.
In den USA wird zur Zeit (August 2009) eine Infektion bevorzugt mit einer
Einmaldosis 200 mg Doxycyclin behandelt, wenn die Behandlung innerhalb von
72 Stunden erfolgt. Dies ist wohl auch sehr erfolgreich und eine ausreichende
Behandlung. Da wir in Mitteleuropa ein anderes Erregerspektrum haben, wird
hier anders therapiert. Bevorzugt kommt ebenfalls Doxycyclin zum Einsatz,
allerdings über einen längeren Zeitraum. Erfahrungsgemäß
sind frühzeitig erkannte Infektionen mit einer Therapiedauer von 10
bis 14 Tagen ausreichend sicher zu behandeln.
Bei Resistenzen gegen Doxycyclin und insbesondere bei neurologischen
Komplikationen der Lyme Borreliose kommen verschiedene andere Antibiotika
zum Einsatz. Beispielsweise könnten Amoxicillin (dreimal 500 mg pro
Tag als Tablette), Ceftriaxon (einmal täglich per Infusion 2 g) oder
Cefuroxim (zweimal täglich 500 mg als Tablette) verabreicht werden,
alle jeweils über 14 Tage. Auch eine Behandlung mit Azithromycin (einmal
täglich 500 mg als Tablette, am ersten Tag 1000 mg) ist möglich,
hier wären nur 4 Tage Therapiedauer nötig. Welche Behandlung letztlich
bevorzugt wird, bleibt der individuellen Krankheitsschwere, den Vorerkrankungen
des Patienten und der Entscheidung des Arztes vorbehalten. Generelle Aussagen
lassen sich kaum fällen. Lediglich die in den letzten Monaten zu
beobachtende Häufung von Infusionstherapien sollte kritisch betrachtet
werden. Einerseits aus wirtschaftlichen Gründen und den für den
Patienten nicht unerheblichen organisatorischen Aufwand, andererseits ist
die Therapie mit Ceftriaxon keinesfalls nebenwirkungsarm. Dosis- und
dauerabhängig kann es, neben anderen unerwünschten Wirkungen, zur
Präzipitation (Ausfällung) eines Kalziumsalzes von Ceftriaxon in
der Gallenblase kommen. Aufgrund dieser Nebenwirkung sollte die Infusionstherapie
möglichst nur Patienten mit zentral-neurologischen Symptomen vorbehalten
bleiben oder solchen, die eine Resistenz einer Borrelien-Art aufweisen. Bei
neurologischem Krankheitsverlauf hat Ceftriaxon nämlich eine gute
Liquorgängigkeit und erreicht eine wirksame Hemmkonzentration über
einen ausreichend langen Zeitraum. Alternativ kann auch mit Cefotaxim (dreimal
2 g pro Tag) behandelt werden.
Infusionstherapien mit den o. g. Cephalosporinen sind also möglichst
auf Patienten mit nachgewiesenen Resistenzen oder neurologischer Manifestation
zu beschränken. Eine Infusion bei grundsätzlich jeder Lyme Borreliose,
wie es sehr häufig geschieht, ist weder evidenz-basiert noch
wirtschaftlich.
Zur Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose ist es empfehlenswert, die
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als Grundlage zu
nehmen, da diese bemüht sind, evidenzbasiert Empfehlungen zu geben.
Als pdf-Datei unter diesem Link abrufbar:
Leitlinien
der DGN.
Literatur
Hayes, E. B. & Piesmann, J. 2003: How we can prevent Lyme disease?
N. Engl. J. Med., 348, 24242430. |
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